Simplon-Tunnel: Bauzeit

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Der Bau des Simplontunnel ist ein Höhepunkt in der Reihe der Alpentunnel. Neben der extremen Länge von fast 20 Kilometern mussten im Verlauf des Baufortschritts immer neue Herausforderungen gemeistert werden, die an der Grenze des technisch Machbaren lagen. Bauunternehmer war  "Brandt, Brandau & Co" 
Portale und Stolleneingänge zur Bauzeit

 

Das bekannte "Gesicht" des Nordportals

 

Der Tunnel ist mit einem Vorhang zur Steuerung der Belüftung verschlossen. Am rechten Bildrand befindet sich der Eingang zum Parallelstollen (Stollen II), links vom Hauptportal der Eingang des Richtstollens.

Ein Bauzug verlässt den Stollen II 

 

Der Stollen ist vom Zug fast verdeckt, der links befindliche Eingang gehört zum Stollen I, der erst später mit dem oben gezeigten Nordportal "geschmückt" wurde. Links im Hintergrund wieder der Eingang zum Richtstollen.

Die Baustelle in Iselle an der Diveria 

 

Der Bauplatz an der Simplonstrasse wurde unter sehr beengten Verhältnissen links und rechts des Flusses gebaut.

Der Richtstolleneingang 

 

Im Bild oben rechts neben der Bildmitte ist diese Holzbrücke zusehen, die den Fluss zwischen dem Bauplatz und dem Richtstollen überspannt. Die abgeleiteten Quellwasser aus dem Tunnel stürzen sich hier in die Diveria.

 

Bohrtechnik und Vortrieb

 

Die Geologie des Simplongebietes wurde vorab in Gutachten abgeschätzt. 
Quelle: [700]

 

Es waren sehr unterschiedliche Gesteinsschichten zu erwarten. Die problematische Druckzone (siehe unten) wurde dabei nicht vorhergesehen.

Im Gegensatz zum Frejus- und Gotthardtunnel wurden keine pneumatische, sondern hydraulische Bohrmaschinen vom Typ Brandt verwendet.
Quelle: [700]

 

Die Bohrmaschinen hatten sich bereits am Pfaffensprung-Kehrtunnel der Gotthardbahn bewährt und wurden mit Wasserdruck angetrieben.
Das Bild zeigt die auf einem Wagen montierten Bohrmaschinen vor dem Richtstolleneingang.

Quelle: [700]

 

Der Einsatz der Bohrmaschinen an der Tunnelbrust. Die horizontale Halterung wurden an den Stollenwänden eingespreizt. 
Zum Antrieb der Bohrmaschinen und der Ventilationsanlagen wurde zur Energiegewinnung auf der Nordseite das Wasser der Rhone abgeleitet
Quelle: [700]

 

Insgesamt wurden aus dem Rhonewasser ca. 2.200 PS Leistung gewonnen, wozu ein beträchtlicher Aufwand, beispielsweise ein vier Kilometer langer Kanal, notwendig war.
In Kompressorhallen wurde Druckwasser und Druckluft erzeugt.
Quelle: [700]

 

Das Druckwasser wurde durch Rohre zu den Bohrmaschinen an der Tunnelbrust geleitet. Die Druckluft wurde für die Belüftung und den Antrieb der Druckluft-Lokomotiven verwendet.
Es wurde mit Dynamit gesprengt, das mittels Pferdefuhrwerken aus der nahegelegenen Fabrik bei Gamsen geholt wurde.
Quelle: [700]

 

Der Materialtransport erfolgte unter sehr beengten Verhältnissen. Teilweise wurden von Pferden gezogene Wagons eingesetzt.
Quelle: [700]

 

An dieser Stelle schließt sich AlpenTunnel.de dem Gedenken von [700] an. Es wurden sehr viele Pferde für den Tunnelbau "geopfert", die unter widrigsten Umständen arbeiten mussten.

Quelle: [700]

 

Aber auch die menschlichen Arbeiter hatten keine angenehme Arbeitsumgebung: Hohe Temperaturen, Wasserlacken, Enge, Lärm, schlechte Luft, Schmutz und Matsch waren an der Tagesordnung.
Nach der Sprengung und dem Abtransport des Ausbruchmaterials wurde der Stollen zum Tunnelprofil erweitert, abgesichert und vermauert.
Quelle: [700]

 

Abstützung des Tunnelprofils in der Erweiterungsphase mittels einer Holzkonstruktion.

Quelle: [700]

 

Anschließende Ausmauerung der Gewölbes.
Die Druckzone: Beinahe das Aus für den Tunnel.

Im Südstollen wurde eine Zone angefahren, in der der Gebirgsdruck so stark war, dass selbst massivste Holzsicherungen innerhalb kürzester Zeit nachgaben.


Quelle: [700]

 

Erst nachdem statt der Holzkonstruktionen Stahlrahmen verwendet wurden, bekam man das Problem langsam in den Griff. Jedoch auch diese Stahlrahmen deformierten sich innerhalb kürzester Zeit. 

Quelle: [700]

 

Um diese Zone zu überbrücken musste sehr aufwändig vorgegangen werden und eine dicke Ausmauerung vorgenommen werden.

Zur Überwindung der 42 Meter langen Druckzone benötigte man sieben Monate!

Hohe Temperaturen und Belüftung

 

Aufgrund der niedrigen Lage des Tunnels und der damit verbundenen, hohen Gebirgsüberdeckung von mehr als 2.000 Metern wurden hohe Temperaturen im Inneren erwartet. Tatsächlich wurden in der Tunnelmitte 56 Grad Celsius erreicht.

 


Quelle: [700]

Das Diagramm zeigt die Verläufe der Gebirgsüberdeckung und der Temperaturen, jeweils im Vergleich zwischen Simplon- und Gotthard-Tunnel. In letzterem wurden bereits 30 Grad Celsius (bei fast 100% relativer Luftfeuchtigkeit) erreicht, was die Arbeit fast unmöglich machte.

Eine entsprechende Kühlung und Belüftung de Tunnels konnte nur durch zwei Parallelstollen erreicht werden: In den einen Stollen wurde kühle Frischluft geblasen, im anderen gelangte die erwärmte Abluft wieder zurück ins Freie.
Quelle: [700]

Die Parallelstollen wurden in einem Abstand von 17 Metern gleichzeitig vorgetrieben. Alle 200 Meter waren die Stollen durch verschließbare Querstollen miteinander verbunden, wodurch der Luftzug gesteuert werden konnte. Der erste Stollen wurde ab 1898 sofort zum Tunnel I ausgebaut. Wegen dem zunehmenden Verkehr und der notwendig gewordenen Sicherung des Parallelstollens wurde dieser ab 1912 zum Tunnel II ausgebaut.

 


Quelle: [700]

 

Am Tunnelportal (hier: Nordseite) wurden riesige Ventilationsanlagen installiert.

Weitere Kühlmaßnahmen:

Wasser und Eis

 


Quelle: [700]

 

Reichte die Luftkühlung an manchen Stellen nicht aus, so wurde Wasser zerstäubt, das durch die Verdunstungskälte der Luft Wärme entzog.

Teilweise wurden sogar eisbeladene Kühlwagons vor Ort im Tunnel an das Lüftungssystem angeschlossen. Hierzu wurde extra eine Eisfabrikation errichtet.

Wassereinbrüche

 

Es wurden während des Vortriebs laufend Wasserquellen angefahren, die teilweise mehrere Hundert Liter Wasser pro Sekunde lieferten.
Quelle: [700]

 

Die Wassertemperaturen waren dabei recht unterschiedlich. Teilweise wurden kalte Wasserquellen zur Kühlung verwendet.


Quelle: [700]

 

Die Quellen mussten gefasst werden, damit der Tunnel zukünftig trocken bleibt.
Quelle: [700]

 

A: Eisenblech

B: Beton

C: Trockene Verfüllung hinter der Auskleidung

D: Wasserquelle

Damit das Wasser abfließen kann, wurde ein entsprechender Kanal gegraben.
Quelle: [700]

 

Tunnelabsteckung und Durchschlag

 

Die Absteckungsarbeiten im Tunnel während des Baufortschritts wurden wie die Vermessung von Prof. Max Rosenmund durchgeführt.
Quelle: [700]

 

Prof. Rosenmund (der Herr mit der Melone) mit seinen Messgehilfen und einem Absteckungstheodoliten.
Durch die Vortriebsverzögerungen auf der Südseite, vor allem aufgrund der Druckzone, wurde ab dem Kulminationspunkt in Tunnelmitte von der Nordseite aus nach unten gegraben.
Quelle: [700]

 

Es sammelte sich Wasser an, dass mit speziell installierten Pumpen entsorgt werden musste. Als beim weiteren Vortrieb weitere Quellen angefahren wurden, musste der Vortrieb jedoch eingestellt werden. Der Nordteil drohte zu überfluten, was jedoch durch das Schließen eines vorsorglich installierten Schotts verhindert wurde.
Der Vortrieb wurde auf dem letzten Stück nur durch die Südseite betrieben.
Der Durchschlag erfolgte am 23.02.1905 um 07:20 Uhr mit einer Abweichung von nur 20,2 cm (Richtung) und 8,7 cm (Höhe).
Quelle: [700]

 

Beim Durchschlag schoss das auf der Nordseite angestaute Wasser aus der Öffnung. Unglücklicherweise wurde auch ein Gas freigesetzt, dem zwei Anwesende zum Opfer fielen. Evtl. bildete sich das Gas durch das angestaute, heiße Wasser.
In der Tunnelmitte wurde eine Ausweichstelle eingerichtet, damit sich zwei Züge in dem (ursprünglich eingleisigen) Tunnel kreuzen können.
Quelle: [700]

 

Die Ausweichstelle verwendet dabei den Parallelstollen, der für diesen Zweck ausgebaut worden ist.

Quelle: [700]

 

Bei der Ausweichstelle befindet sich auch eine Tunnelstation zur Bedienung der Weichen und Signale. Diese war lange Zeit durch Personal besetzt.

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